Horst kompakt: Wo bleibt Google Water View?

August 17th, 2010

hecht

Eigentlich wollte ich meine Sommerpause noch bis ungefähr Mitte September ausdehnen, aber ich konnte nicht mehr anders, ich musste endlich mal was loswerden. Nein, nicht zu Pakistan, Entschuldigung, aber wen interessieren schon 20 Mio. Menschen, die um ihr Leben kämpfen, wenn demnächst die Fassade meines Zehn-Familien-Mietshauses im Internet zu sehen ist? Für alle! Sogar für Pakistaner! Kein Wunder, dass das hierzulande keinen kalt lässt. Gestern im Supermarkt habe ich am Pfandflaschenautomaten einfach mal hinterrücks einer knapp 85-jährigen Oma “Google Street View” ins Ohr geflüstert. Schon drosch sie mit der “Doppelherz”-Flasche auf mich ein. Und die Teile sind leider aus Glas.

Jetzt wird überall debattiert, wie weit Google gehen darf. Wer sein Haus nicht im Netz haben will, kann dagegen Einspruch einlegen, natürlich nicht, ohne einen Großteil seiner Daten preiszugeben. Ansonsten profitieren fast alle seltsamen Gruppen von der neuen Offenheit im Netz: Diebe, Spanner, Immobilienmakler, Teeniefans, die nun nicht mehr direkt vor der Tür ihres Idols warten müssen und natürlich auch besorgte Eltern, die wissen wollen, wer in der Studentenbude ihrer Tochter so aus- und eingeht. Und ob sie die Vorhänge auch zugezogen hat, als sie in den Urlaub gefahren ist. Nur eine seltsame Gruppe profitiert nicht davon: Wir Angler!

Klar können wir ab und zu schauen, ob im Fachgeschäft unseres Vertrauens ein paar neue Angebote im Fenster liegen, aber sonst? Da kommt schnell die Frage auf: Wo bleibt Google Water View? Häuser sind doch - zumindest von außen - sowas von langweilig, das schmerzt ja schon fast. Dagegen könnte Google doch mal ein paar Taucher losschicken und zeigen, was so in unseren Seen und Flüssen abgeht.

Mein Gott, schon der Gedanke daran ist toller als der Biss eines fetten Hechtes auf Jerkbait. Man wüsste endlich, in welcher Bucht sich die dicken Schleien aufhalten, auf die man den ganzen Sommer vergeblich angesessen hat. Wo der Barschberg ist, den man trotz 200-Euro-Echolot nie gefunden hat. Die Felsen im Buhenfeld ausgucken, an denen man immer so viele Gummifische verliert. Und natürlich den dicksten Hecht des Sees finden, der wahrscheinlich einfach immer nur unter dem Bootssteg gestanden hat, von dem man dann mit Sack und Pack losgezogen ist, um “Großhechte zu fangen”.

Tja, Google könnte es einem so einfach machen. Ich werde vielleicht einfach mal eine Mail an den Konzern schreiben. Ich hoffe, ich gebe damit nicht zuviele Daten von mir preis. Wahrscheinlich schauen die dann kurz in Street View rein, sehen meine Hausfassde und denken: “Oh je, was will der denn von uns?”

Horst Köder bloggt nach seiner langen Sommerpause ab nächste Woche wieder jeden Mittwoch kurz und knapp in “Horst kompakt”. Mehr von ihm gibt es hier!

Kommentarfunktion ist deaktiviert